Es gibt viele Möglichkeiten über etwas zu schreiben. In den meisten Fällen handelt es sich im Deutschunterricht um Aufsätze, Grammatikarbeiten oder Diktate.
Dabei werden Aufgaben erarbeitet und Themen vorgegeben. Es stellt sich die Frage: Wo bleibt die Kreativität?
Nicht so bei „Bauchtexten“, bei Texten also, bei denen man einfach drauflos schreibt, ohne zunächst einmal auf Regeln und Vorschriften zu achten.
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Das ist ein Märchen werden viele denken. Nicht so bei Laura-Maria Kelch 10b, ihr Text ist wirklich ein wundersames Märchen geworden. Also aufgepasst!
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Die wundersame Verwandlung des Schlüssels
Es war einmal ein Schlüssel, dem nichts verborgen blieb. Er ist unzerstörbar, knackt jedes Schloss und hat so schon viele Banküberfälle für arme Menschen vollzogen, um ihnen zu helfen. Wenn jemand versucht hat ihn zu fassen, hat er sich einfach in einen Schmetterling verwandelt und ist davon geflogen.
Der Schlüssel bereitete zwar viele Schwierigkeiten, jedoch wusste er bei Menschen zwischen Gut und Böse zu unterscheiden.
Erblickte der Schlüssel skrupellose Menschen, so erteilte er ihnen eine Lektion, indem er ihre Tür zum Gewissen und zu den schlimmsten Erinnerungen aufschloss.
Seine Lieblingsbeschäftigung war und ist es noch heute Tagebücher rauf und runter zu lesen, um seine Menschenkenntnis zu trainieren. Heute lebt der Schlüssel zurückgezogen, denn er ist wie gesagt unzerstörbar, aber die Jahre haben auch bei ihm Spuen hinterlassen.
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In der Klasse 10 b wurden nicht nur Bauchtexte verfasst, auch Märchen dienten als Vorlage kreative Geschichten zu schreiben.
Julia Malin Joan Steinführer hat sich an das von Paul Maar umgeschriebene Märchen Hänsel und Gretel dran gehängt und dieses weitererzählt:
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Die Geschichte vom bösen Hänsel, der bösen Gretel und der Hexe
Es war einmal eine alte Hexe, die hat ihr ganzes Leben lang gearbeitet, hatte gezaubert vom frühen Morgen bis zum späten Abend, hatte gehext und Zaubersprüche aufgesagt, jeden Tag und war nun in das Alter gekommen, wo ihre Zauberkraft nachließ und ihre Kräfte langsam schwanden. Sie wurde aber nicht böse und giftig darüber wie manche anderen Hexen, wenn sie so alt werden, sondern sagte sich: „Mit meiner Zauberkraft geht es zu Ende. Da will ich mir eine andere Beschäftigung suchen, damit ich nicht faulenzen muss und auf trübe Gedanken komme. Ich werde mein Haus zum schönsten Hexenhaus weit und breit machen!“
Und schon am nächsten Tag begann sie ihr Häuschen aufs Wunderlichste zu schmücken. Auf die Dachziegel legte sie Lebkuchen, die Wände verkleidete sie mit Brot und Kuchen, verziert mit Mandeln und Nüssen, ihre Glasfenster hänge sie aus und hängte neue ein, ganz aus weißem Zucker.
Das dauerte viele Wochen; jeden Tag musste die alte Frau in der Küche stehen und backen. Aber sie arbeitete unermüdlich und endlich war das Häuschen fertig.
Und wenn irgendein Tier an ihrem Haus vorbeikam, staunend stehen blieb und schließlich sagte: “So ein schönes Haus habe ich noch nie gesehen“, wurde sie grün vor Stolz.
Eines Tages stand die Hexe gerade vor ihrem Backofen und wollte einen Lebkuchen backen, weil der Wind in der Nacht einen vom Dach geweht hatte. Da war es ihr, als knusperte draußen jemand an ihrem schönen Haus und breche ganze Stücke ab. Ängstlich rief sie:
„Knusper, knusper, knäuschen,
wer knuspert an meinem Häuschen?“
Von draußen antwortete ein dünnes Stimmchen:
„Der Wind, der Wind,
das himmliche Kind!“
„Da bin ich beruhigt“, seufzte die Hexe erleichtert. „Es ist nur der Wind, der da draußen lärmt. Und ich hatte schon Angst, jemand wolle mein Häuschen zerstören.“
Wie sie das gerade sagte, zersprang ihre schöne Fensterscheibe, an der sie drei Wochen gearbeitet hatte, ein Mädchen griff nach den Splittern und aß sie auf! Mühsam humpelte die Hexe nach draußen um zu sehen, wer der Störenfriede sei…..
Bis hierhin hat Paul Maar geschrieben.
Julia schreibt weiter:
Als die Hexe nun vor ihrem hübschen Häuschen stand, sah sie zwei böse grimmige Kinder, ein Mädel und einen Buben, die unentwegt an dem Häuschen weiteraßen. Auch auf das Bitten und Betteln der Hexe, sie mögen doch bitte aufhören, lachten die Kinder nur höhnisch und brachen alles Süße von dem Häuschen ab.
Die Hexe, die sich im Umgang mit Kindern nicht gut auskannte, backte und kochte und brodelte die leckersten Gerichte, damit die Kinder, diese statt des Häuschens aufaßen.
Doch die Kinder, die schon längst satt waren, aßen weiter, nur weil es ihnen Freude machte, die arme, alte Hexe zu ärgern. Als die Kinder das Haus nun vollkommen zerstört hatten und sich müde von ihrem bösen Streich in das große, weiche Bett der Hexe gelegt hatten und schliefen, blieb der Hexe nichts anderes übrig, als einen Leib Brot, eine Decke, ihre Katze und ihren Raben zu nehmen und ihr einst so schönes Haus zu verlassen. Nun lebt sie in dem dunklen, kalten, großen Wald und schläft auf einer Bank.
Die Kinder sind inzwischen weiter gezogen und haben mittlerweile die Kissen von Frau Holle aufgeschlitzt, die Zipfelmützen der sieben Zwerge geklaut, Spinnnadeln in Dornröschens Königreich verteilt und Aschenputtels Schuhe geklaut.
Und wenn sie nicht gefangen sind, dann ärgern sie noch weiter.
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